Der literarische Neuanfang nach dem Krieg war vor allem in der deutschsprachigen Welt nicht einfach. Heinrich Böll, dem es 1947 „sehr schwer“ gefallen sei, „auch nur einen einzigen deutschen Satz zu schreiben“, gelang dennoch kurz darauf der erste Erfolg in der Gruppe 47. Kollektive gaben überhaupt an vielen Orten neue Impulse, wie es die Beispiele der Wiener Gruppe oder der Neuen Frankfurter Schule belegen. In Ostbelgien erwachten diese erst Ende der 1960er Jahre, in etwa mit dem Aufkommen experimenteller Tendenzen in Lyrik und Prosa und nach dem Ziehen der Sprachengrenzen im belgischen Staat. Hier stellt sich eine Frage: Waren diese Dichter Vorreiter oder Mitläufer der Autonomiediskussionen in Belgien und in der Grenzregion?
Beck, P. (2014). Dichter als Vorreiter oder Mitläufer der Autonomiediskussionen? Das lange literarische Schweigen. In Carlo Lejeune & Christoph Brüll (Hg.) (ed.), Grenzerfahrungen. Bd. 5: Säuberung Wiederaufbau, Autonomiediskussionen (1945-1973) (p. p. 236-241). Grenz-Echo-Verlag. https://hdl.handle.net/2078.5/89557