Die Ditransitiv-Konstruktion im DaF-Unterricht

De Knop, Sabine;Mollica, Fabio
(2024) Regelbasierte Konstruktionsgrammatik. Musterbasiertheit vs. Idiomatizität? — ISBN: [9783111333854], 317-352, published

Files

No attached file found for this publication.

Details

Authors
  • Author
  • Mollica, FabioUniversita degli Studi di Milano
    Author
Abstract
(de) Seit einigen Jahren hat sich die Konstruktionsgrammatik (KxG) als fruchtbares Beschreibungsmodell nicht nur für theoretische Untersuchungen, sondern auch für angewandte Bereiche wie das Erlernen von Fremdsprachen etabliert (siehe etwa den Band von De Knop & Gilquin (2016) oder das Sonderheft von Ellis & Cadierno (2009)). Die KxG bietet einen allumfassenden Rahmen, um sogenannte Konstruktionen, d. h. linguistische Einheiten unterschiedlicher Komplexitätsgrade und Abstraktionsebenen zu beschreiben. Unser Beitrag befasst sich mit der deutschen ditransitiven Konstruktion und mit den Schwierigkeiten, die für italophone DaF-Lernende damit verbunden sind. In ditransitiven Konstruktionen (siehe auch Goldberg 1995 und 2006; vgl. auch Welke 2011: 207-213, 2019: 247-254) kommen prototypische Verben wie geben oder schenken vor, die eine Transfersemantik zum Ausdruck bringen und neben dem Subjekt (das Agens) ein Dativkomplement für den Rezipienten und ein Akkusativkomplement für das Thema verlangen. Daneben gibt es einige Verben mit ähnlicher Semantik wie etwa lehren oder wissen lassen, die aber mit einem Doppelakkusativ auftreten oder andere wie erwähnen, fragen oder antworten, die in unterschiedlichen Konstruktionen vorkommen, obwohl sie eine Transfersemantik zum Ausdruck bringen. Dies ist für Lernende oft problematisch und kann zu Übergeneralisierungen (siehe auch Goldberg 2019: 112) führen, vor allem, wenn nicht-ditransitive Verben wie z. B. lehren oder erwähnen in der Muttersprache ditransitiv gebraucht werden (wie die italienischen Entsprechungen insegnare bzw. menzionare). Ausgehend von einer Sammlung ditransitiver Verben und mit ditransitiver Semantik jedoch ohne ditransitive Argumentstruktur, die aus dem Valenzwörterbuch deutscher Verben (VALBU) entnommen wurden, haben wir zwei Sorten Tests für italophone Lernende entwickelt. Im ersten Test geht es darum, eins der beiden Objekte im richtigen Kasus auszufüllen. Im zweiten Test bekommen die Lernenden eine willkürliche Reihe von Wörtern, mit denen sie korrekte Sätze bilden sollen. Dabei sind Verben enthalten, die sowohl ditransitiv gebraucht werden, als auch Verben, die lediglich eine ditransitive Semantik aufweisen. Beide Tests machen deutlich, dass ein rein konstruktionistischer Ansatz nicht ausreicht, (i) um den idiosynkratischen Gebrauch der deutschen Verben zu erklären, denn es ist nicht vorhersehbar, in welchen Konstruktionen Verben, die einen Transfer ausdrücken, vorkommen. Aus der DaF-Perspektive ist es also notwendig, auf das Valenzkonzept zurückzugreifen, um solche Idiosynkrasien didaktisch adäquat zu erklären. (ii) Weiter kann die korrekte Reihenfolge zwischen den Objekten auch nicht dank der KxG erklärt werden. Daher ist die Entwicklung entsprechender didaktischer Methoden unbedingt erforderlich. Dies gilt ganz besonders für die Objekte in pronominaler Form, denn ihre Abfolge weicht grundsätzlich vom Italienischen ab. Als Konsequenz plädieren wir bei den Unterrichtsmethoden für ein Modell, das sowohl die KxG als auch einen valenzorientierten Ansatz integriert und die auf ‚Priming‘-Übungen (siehe De Knop & Mollica 2021; Ellis et al. 2016: 40; Hartsuiker et al. 2004; Herbst 2011; Loebell & Bock 2003) basiert. Die Reihenfolge der Konstituenten (Dativ- vs. Akkusativkomplement / nominal vs. pronominal) beruht auf der Musterhaftigkeit der Konstruktionen, die genau wie Chunks oder formelhafte Sequenzen am besten holistisch gelernt werden (siehe etwa Ellis 2009: 147; Handwerker 2008; Handwerker & Madlener 2006).
Affiliations

Citations

De Knop, S., & Mollica, F. (2024). Die Ditransitiv-Konstruktion im DaF-Unterricht. In Klaus Welke, Marc Felfe & Dagobert Höllein (ed.), Regelbasierte Konstruktionsgrammatik. Musterbasiertheit vs. Idiomatizität? (pp. 317-352). de Gruyter. https://hdl.handle.net/2078.5/259820