Deutsche räumliche Konstruktionen sind komplex und bilden für Lernende eine große Herausforderung. Dies trifft auf konkrete Bewegungs- und Lokalisierungskonstruktionen zu, wie etwa „Das Baby liegt schon in dem Kinderwagen“ oder „Peter geht auf die Straße“, bei denen sowohl die Wahl der richtigen Präposition als auch die Entscheidung über den korrekten morphosyntaktischen Kasus Schwierigkeiten bereiten kann. Eine besondere Hürde bilden Konstruktionen, die abstraktere räumliche Ereignisse zum Ausdruck bringen, etwa „Die Lehrerin schreibt die unbekannten Wörter an die Tafel“ oder „Gestern hat Maria dieses schwierige Wort aus dem Deutschen ins Italienische übersetzt“. In dem gebrauchsbasierten Ansatz der Kognitiven Linguistik ist die Erkenntnis vertreten, dass abstraktere Ereignisse oft mit konkreten Wörtern aus dem menschlichen Erfahrungsbereich versprachlicht werden, was mit dem Terminus embodiment (‚Verkörperung‘) bezeichnet wird. Inspiriert von dieser Erkenntnis kann eine didaktische Methodologie entwickelt werden, die ein embodied learning (‚verkörpertes Lernen‘) auch für den Erwerb abstrakter räumlicher Konstruktionen privilegiert. Dabei spielen die Visualisierung mit Bildern und Zeichnungen oder konkrete Körpererfahrungen eine zentrale Rolle. Der Beitrag veranschaulicht, wie eine auf embodied learning basierende Unterrichtsmethodologie gestaltet werden kann.
De Knop, S. (2025). Visualisierung und Körpererfahrungen beim Erlernen deutscher räumlicher Konstruktionen. Fremdsprache Deutsch : Zeitschrift fuer die Praxis des Deutschunterrichts, 72, 54-59. https://hdl.handle.net/2078.5/260114 (Original work published 2025)