Von Albanisch bis Zazaisch – Mehrsprachigkeit bei Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern am bilingualen Unterricht Englisch
Möller, Verena
(2016) Gesellschaft für Angewandte Linguistik, SPRACH|KULTUR|EN — Location: Koblenz/Germany (27.September.2016)
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Möller, VerenaUCLouvain
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"The European Commission believes that it is necessary to make proficiency in at least two foreign languages at school a priority." Dieses in einem Weißbuch der Europäischen Kommission (1995: 13) definierte Ziel führte seit den späten 90er Jahren in Deutschland zu einem beinahe explosionsartigen Anstieg der Zahl bilingualer Bildungsgänge (vgl. KMK 2013: 4), welche als Mittel der Entwicklung von Mehrsprachigkeit explizit genannt wurden. Auch wenn die Auswirkungen des bilingualen Unterrichts seither häufig untersucht wurden, fand der sprachliche Hintergrund der einzelnen Lerner kaum Berücksichtigung (vgl. Breidbach & Viebrock 2012: 13). Ziel der vorliegenden Untersuchung ist daher ein Vergleich von Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern an bilingualen Zügen im Hinblick auf den Aspekt der Mehrsprachigkeit sowohl durch verschiedene Herkunftssprachen als auch durch im schulischen Kontext erlernte Fremdsprachen. Die Datengrundlage bildet dabei das Secondary-Level Corpus of Learner English (SCooLE), ein Lernerkorpus aus argumentativen Texten von ca. 420 Schülern der 11. Klasse an baden-württembergischen Gymnasien, sowie Daten zum sprachlichen Hintergrund derselben Lerner. Im Hinblick auf die Muttersprachen der teilnehmenden Schüler lässt sich feststellen, dass an Gymnasien mit bilingualen Zügen ein höherer Anteil an Lernern aus zweisprachigen Elternhäusern existiert, was Zydatiß' (2007: 117) Beobachtung stützt, dass "zweisprachige Elternhäuser [...] die Chance eines vertieften Erwerbs einer Drittsprache offenbar gern [wahrnehmen]". An Gymnasien ohne bilinguales Angebot hingegen finden sich mehr als doppelt so viele Schüler mit allein nicht-deutscher Muttersprache wie an Gymnasien mit bilingualem Zug. In beinahe allen Elternhäusern wird jedoch regelmäßig deutsch gesprochen, d. h. "das Deutsche ist in diesen Familien gut verankert" (Zydatiß 2007: 117). Im schulischen Zusammenhang lernen Teilnehmer an bilingualem Unterricht eine höhere Anzahl an Fremdsprachen, was möglicherweise auf größeres Interesse (vgl. Rumlich 2014: 86) oder größere Sprachbegabung (vgl. Fehling 2009: 59 und Möller 2015: 241) zurückzuführen ist. Auch in der Gesamtzahl ihrer Sprachen setzen sich Teilnehmer an bilingualem Unterricht signifikant von nicht bilingual unterrichteten Schülern ab. Die Analyse der von den Lernern produzierten Textdaten erfolgte im Hinblick auf drei Parameter, die sich in Studien zu bilingualem Unterricht oder zur sprachlichen Qualität von Lernertexten als signifikant erwiesen haben: 1) Textlänge (vgl. Zydatiß 2009: 165), 2) durchschnittliche Satzlänge (vgl. Kameen 1993: 165) und 3) relative Häufigkeit von Passivkonstruktionen (vgl. Granger 2013: 95). Mehrsprachigkeit im Elternhaus spielte in den Ergebnissen der Analyse der Lernertexte insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich in Bezug auf die Häufigkeit des get-Passivs war in der nicht bilingual unterrichteten Gruppe zu beobachten, dass Schüler aus mehrsprachigen Elternhäusern diese Struktur ("a traditionally spoken and informal form", Mair & Leech 2006: 332) etwa dreimal so häufig verwendeten wie Schüler aus einsprachigen Elternhäusern. Die Auswirkungen der Anzahl erlernter Fremdsprachen zeigten sich am deutlichsten in der bilingual unterrichteten Gruppe: Je mehr Fremdsprachen erlernt wurden, desto länger waren die produzierten Texte sowie die durchschnittliche Satzlänge und desto mehr Passivkonstruktionen wurden gebildet. Die Gesamtzahl der gesprochenen Sprachen erwies sich erneut als für die bilingual unterrichtete Gruppe relevant, indem sich signifikante positive Korrelationen mit der Textlänge sowie der relativen Häufigkeit des Passivs ergaben. Insgesamt lassen sich vor allem bei Teilnehmern an bilingualen Zügen Unterschiede im geschriebenen Diskurs in Abhängigkeit von Mehrsprachigkeit beobachten, wobei weniger verschiedene Muttersprachen als eine höhere Anzahl erlernter Sprachen zu größerer Sprachkompetenz führt.
Möller, V. (2016). Von Albanisch bis Zazaisch – Mehrsprachigkeit bei Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern am bilingualen Unterricht Englisch. Gesellschaft für Angewandte Linguistik, SPRACH|KULTUR|EN, Koblenz/Germany. https://hdl.handle.net/2078.5/172173