Max Frischs politische Ethik

(2011) Germanica — n° 48, p. 95-110 (2011)

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Max Frischs Werk beinhaltet eine politisch-ethische Dimension, die sich in zahlreichen öffentlichen Stellungnahmen manifestiert. Ohne diese Beiträge in einer bestimmten philosophischen Tradition zu verankern, ist ihnen doch der Anspruch der Aufklärung gemeinsam, Emanzipation und Freiheit an die Stelle von Abhängigkeit zu setzen. Das politische Bewusstsein des Autors wird stimuliert durch die Desillusionierung am Ende des Zweiten Weltkriegs, der die Möglichkeiten des Scheiterns von Humanität und Aufklärungsidealen drastisch vor Augen geführt hatte. Frisch sucht nach einer differenzierten Neubestimmung des Verhältnisses zu Deutschland und provoziert in seinem Heimatland Schweiz durch die radikale Kritik von dessen Gründungsmythen und als unantastbar geltenden Institutionen. Seine Gedanken über Demokratie, Einwanderungspolitik und die Zukunft des Militärs lesen sich als Zeugnisse der intellektuellen Unbestechlichkeit eines Menschen, der den Konflikt nicht scheut und eine lebhafte Debattenkultur lieber sähe als den vorherrschenden Konformismus. Über die Grenzen der Schweiz hinaus entwickelte die Stimme Frischs eine Anziehungskraft, die sich aus der weltbürgerlichen Offenheit einer Literatur erklärt, die das Eigene im Fremden sucht und voreilige Fixierungen von Identität skeptisch betrachtet. In der Tradition der Aufklärung, um deren Schattenseiten Frisch weiß, hält er an den utopischen Idealen der Moderne fest, die in den Freiräumen der Literatur zu erproben sind, aber auch eine verantwortliche Gestaltung der politischen Zukunft inspirieren sollten.
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Citations

Lesch, W. (2011). Max Frischs politische Ethik. Germanica, 48, 95-110. https://hdl.handle.net/2078.5/64692 (Original work published 2011)