Eine konstruktionsbasierte Beschreibung von Mehrwortverbindungen mit Lokalisierungsverben im Deutschen

(2022) Konstruktionen zwischen Lexikon und Grammatik: Phrasem-Konstruktionen monolingual, bilingual und multilingual — ISBN: [9783110770131], 139-161, published

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Deutsche Positions- (PSV) und Lokalisierungsverben (LKV) werden in Kollokationen und sogenannten Funktionsverbgefügen (FVG) privilegiert benutzt (Eisenberg 2006; Kamber 2008; Van Pottelberge 2001), wie etwa in (1) in Verbindung setzen (LKV) (2) in den Vordergrund stellen (LKV) (3) in Kontakt stehen (PSV) (4) in Streit liegen (PSV). Auf den ersten Blick scheint die Selektion eines bestimmten Verbs ziemlich willkürlich, wie mit den Beispielen (1) und (2) festzustellen ist. Die Kognitive Linguistik postuliert aber, dass Sprachzeichen zugrundeliegende Konzepte widerspiegeln und dass die Wahl eines Sprachzeichens motiviert ist. Eine nähere konzeptuelle und semantische Untersuchung der PSV und der LKV (siehe auch Berthele 2004, 2012; De Knop 2014, 2016; De Knop & Perrez 2014; Fagan 1991) und ihre Klassifizierung in semantischen Netzwerken bietet eine erste Möglichkeit, den Gebrauch dieser Verben zu beschreiben. So kann etwa zwischen der konkreten Position, der Lokalisierung und dem metaphorischen Gebrauch unterschieden werden. Aber da die einzelnen konstituierenden Elemente der FVG eine semantische Einheit bilden, ist eine Untersuchung der gesamten Struktur, und zwar als Phraseo-Schablonen (Rostila 2011) oder Phrasem-Konstruktionen (Burger 2007) zu empfehlen. Das Modell der Konstruktionsgrammatik, das von abstrakten Konstruktionen als Form-Bedeutungspaaren ausgeht, bietet in dieser Hinsicht einen interessanten Beschreibungsrahmen. Phraseo-Schablonen sind partiell schematisch und weisen Lücken auf, die gefüllt werden sollen (Rostila 2011: 264). Ausgehend von der abstrakten Konstruktion [X Präp Substantiv LKV/PSV] können die lexikalischen Beschränkungen für diese Lücken und die Gesamtbedeutung der Konstruktion weiter definiert werden. Bezug nehmend auf die aspektuellen Konzepte der Intransitivität, der Inchoativität und des Stativen unterscheidet Zeschel (2008: 268) etwa vier Konstruktionsschemata. Wie wir zeigen werden, sind für die Beschreibung der FVG mit PSV und LKV aber weitere Konzepte wie etwa Telizität oder Lokalität benötigt. Die Studie wird auf die lexikalischen Be-dingungen, sowie die Semantik der gesamten FVG mit PSV und LKV näher eingehen und eine integrative Beschreibung anbieten, die auch die Konzeptualisierung der PSV und der LKV berücksichtigt. Dabei wird deutlich, dass die Semantik der in der Phrasem-Konstruktion vorkommenden Präposition die Bedeutung des Verbs unterstützt. Literatur Berthele, R. (2004). The typology of motion and posture verbs: A variationist account. Kortmann, B. (ed.). In Dialectology meets typology. Dialect grammar from a cross-linguistic perspective. Mouton de Gruyter, p. 93-126. Berthele, Raphael. 2012. On the use of PUT verbs by multilingual speakers of Romansh. In A. Kopecka & B. Narasimhan (eds.). Events of "putting" and "taking": A Crosslinguistic Perspective. Amsterdam u. a.: John Benjamins, 145-166. Burger, H., Ed. (2007). Phraseologie: Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung - Phraseology: An international handbook of contemporary research, Walter de Gruyter, 01.01.2007 - 636 Seiten. De Knop, Sabine. 2014. Conceptual tools for the description and the acquisition of the German posture verb sitzen. Learner Corpus Research, Cognitive Linguistics and Second Language Acquisition, special issue of Corpus Linguistics and Linguistic Theory, ed. by S. De Knop and F. Meunier. De Knop, Sabine. 2016. German causative events with placement verbs. Lege Artis. Language yesterday, today, tomorrow. 1(2): p.75-115. De Knop, S. & Perrez, J. (2014). Conceptual metaphors as a tool for the efficient teaching of Dutch and German posture verbs. In Review of Cognitive Linguistics 12 (1), p. 1-29. 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Beiträge zur Geschichte der germanistischen Phraseologieforschung. M. Prinz and U. Richter-Vapaatalo. Stuttgart, Hirzel Verlag: 263-282. Van Pottelberge, Jeroen (2001), Verbonominale Konstruktionen, Funktionsverbgefüge. Vom Sinn und Unsinn eines Untersuchungsgegenstandes. Heidelberg: Winter. Zeschel, A. (2008). Funktionsverbgefüge als Idiomverbände. Konstruktionsgrammatik II. A. Stefanowitsch and K. Fischer. Tübingen, Stauffenburg Verlag: 263-278.
Affiliations

Citations

De Knop, S. (2022). Eine konstruktionsbasierte Beschreibung von Mehrwortverbindungen mit Lokalisierungsverben im Deutschen. In Carmen Mellado-Blanco, Fabio Mollica, Elmar Schafroth (ed.), Konstruktionen zwischen Lexikon und Grammatik: Phrasem-Konstruktionen monolingual, bilingual und multilingual (pp. 139-161). de Gruyter. https://hdl.handle.net/2078.5/226656