Spezifische Objekte der Fotografie

(2012) Die Herausforderung des Objekts — Location: CIHA2012 in Nürnberg 33. Internationaler Kunsthistoriker-Kongress (15.July.2012)

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Der phänomenologisch orientierte Ansatz der Minimal Art konzipiert das Kunstwerk nicht als formelle Komposition sondern als spezifisches Objekt (Donald Judd), das sich einerseits durch seine buchstäbliche Objekthaftigkeit, andererseits durch seine räumliche und betrachterbezogene Kontextabhängigkeit (Robert Morris) gegen die modernistischen Dogmen der Visualität und der Autonomie des Kunstwerks richtet. Die Fotografie wurde in diesem Zusammenhang vornehmlich als Aufzeichnungsmittel mit dokumentarischem Zweck verwendet, ansonsten jedoch als dem Kunstwerk und seinem Objektstatus entgegenwirkendes Medium äußerst misstrauisch betrachtet. Ende der 1960er Jahre, als mit der aufkommenden Konzeptkunst die „Dematerialisierung“ (Lucy Lippard) des Kunstwerks anscheinend seinen Höhepunkt erfährt, findet allerdings eine zunehmende Hinwendung zur Fotografie als künstlerischem Ausdrucksmedium statt. In diesem Kontext wird das Medium eben nicht nur – wie häufig behauptet – auf die Funktion eines Ideenträgers reduziert. Das Verhältnis von (virtuellem) fotografischem Bildraum und repräsentiertem (realem) Objekt schlägt bisweilen um in eine Konzeption der Fotografie als Objekt. Victor Burgin’s als Teppich fungierender Fotopfad (Photopath, 1967-69), Michael Kirbys ihre Umgebung reflektierende Fotowürfel (Pont Neuf, 1970) oder Peter Downsbroughs Spielwürfel in den Raum werfende Fotohand (Installation Gallery Fabre, Paris, 1981) sind eindrückliche Beispiele. Wird die Fotografie in der Theorie allzu oft als ein Medium beschrieben, das die Abwesenheit der in ihr abgebildeten Objekte voraussetzt, entwerfen oben genannte Künstler Fotoobjekte, um räumliche Erfahrungen zu visualisieren und Denkräume zu verdinglichen. Die Abwesenheit des repräsentierten Objekts tritt somit in ein dialektisches Verhältnis zur Anwesenheit des fotografischen Objekts. Ziel des Vorschlages ist es, mit einer Neubewertung des Wechselverhältnisses zwischen Anwesenheit und Abwesenheit in fotokonzeptuellen Arbeiten, der Dematerialisierungs-Debatte der 1970er Jahre einen neuen Objektbegriff entgegenzustellen – den des spezifischen Objektes der Fotografie.
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Citations

Streitberger, A. (2012). Spezifische Objekte der Fotografie. Die Herausforderung des Objekts, CIHA2012 in Nürnberg 33. Internationaler Kunsthistoriker-Kongress. https://hdl.handle.net/2078.5/225834