(de) Ausdrücke der Bewegung haben schon immer das Interesse von Linguisten und Psycholinguisten angezogen, da sie die Konzeptualisierung von Ereignissen versprachlichen, die einen zentralen Platz im Leben von Menschen einnimmt (Bylund & Athanasopoulos 2015). Die meisten Studien fokussieren auf eine Facette von Bewegungen, sei es typologische Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachen, die Perspektive des Sprechers, Lokalisierungs- und Bewegungspräpositionen, usw.) oder auf eine spezifische Konstruktion, wie etwa die intransitive lokative Konstruktion oder die sogenannte „caused motion construction“ (Goldberg 1995). Dies bedeutet, dass sie sich mit einzelnen, isolierten Konstruktionen auseinandersetzen, ohne dabei die Beziehungen und Vernetzung zwischen Konstruktionen zu beachten. Meine Studie plädiert für einen anderen Ansatz, der von dem „Construal“ (Achard 2008) von Bewegung im weitesten Sinne (d.h. real, aber auch subjektiv (Langacker 2006) oder fiktiv (Matlock 2004)) ausgeht, der vernetzten Semantik der Konstruktionen, die dieses Konzept realisieren und den Lexikalisierungspräferenzen im Deutschen. Kennzeichnend für die deutsche Sprache sind die Salienz der Bewegungsart, eine Präferenz für Satelliten für den Ausdruck eines Bewegungspfads und eine Unterscheidung zwischen etablierter und noch nicht etablierter Bewegung mit der morpho-syntaktischen Kasusmarkierung (Dativ vs. Akkusativ) (Willems 2011; Willems & al. 2018). Der Beitrag fokussiert auf Konstruktionen als Ausdruck von Bewegung auf ein Ziel hin, die alle miteinander verbunden sind und eine Konstruktionsfamilie bilden (vgl. Goldberg & Jackendoff (2004) and Ruiz de Mendoza et al. (2017)). In einer didaktischen Perspektive kann die Idee einer Konstruktionsfamilie genutzt werden, um ein umfassendes und effizienteres Erlernen der fremden Strukturen zu fördern. Aber das bloße Auflisten der fremden Strukturen ist noch kein Garant für erfolgreiches Lernen (siehe auch Weideman 2016). Didaktische Strategien sind nötig. Eine Strategie besteht darin, semantisch und konzeptuell verwandte Konstruktionen zu gruppieren und als ein Netzwerk von Konstruktionen zu unterrichten, während gleichzeitig auf die Unterschiede hingewiesen wird (Ellis et al. 2016: 300; Ruiz de Mendoza & Agustin Lach 2016). Die meisten Handbücher fürs Erlernen der deutschen Sprache privilegieren einen anderen, atomaren Ansatz, d.h. dass die zu erlernenden Bewegungskonstruktionen überall und isoliert in den Handbüchern zu finden sind. Weiter hilfreich ist das Konzept der Verkörperung (engl. „embodiment”, siehe u.a. Johansson Falck 2017; Küppers et al. 2011; Lapaire & Etcheto 2010), das im Fremdsprachenunterricht genutzt werden kann. Wie das „embodied Lernen“ (Skulmowski & Rey 2018) konkret stattfinden kann, wird weiter in diesem Beitrag thematisiert.
De Knop, S. (2020). Die Familie der deutschen Bewegungskonstruktionen: theoretische und didaktische Perspektiven. Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht, 25(1), 1-11. https://hdl.handle.net/2078.5/237438 (Original work published 2020)