Die Theorie des regulatorischen Fokus (Higgins, 1997) unterscheidet zwei motivationale Orientierungen: Im Promotion-Fokus richten Personen ihre Aufmerksamkeit auf das Erreichen von Idealen sowie Gewinnen und nutzen Promotionsstrategien, im Prevention-Fokus auf die Erfüllung ihrer Verantwortlichkeiten sowie Verlustvermeidung und nutzen Präventionsstrategien. Vier Studien untersuchten, ob Personen ihren chronischen und induzierten regulatorischen Fokus bei Vorhersagen für andere nutzen. Übereinstimmend mit Forschungsergebnissen zur sozialen Projektion führte der chronische Fokus zu fokus-kongruenten Vorhersagen der Verhaltensstrategienutzung anderer (Experiment 1). Außerdem führte ein Promotion- (vs. Prevention-) Fokus zu der Vorhersage einer Wahlpräferenz für angereicherte (vs. eingeschränkte) Optionen durch andere (Experiment 2). Erwartungsgemäß zeigten sich Wissen um Stereotype oder die Zielperson als einschränkende Bedingungen: Ein Promotions- (vs. Prevention-) Fokus führte nur bei Männern, nicht Frauen, zu der Vorhersage einer Suche nach einer romantischen Alternative bei Beziehungsambiguität (Experiment 3); ein Promotions- (vs. Prevention-) Fokus führte nur für Unbekannte, nicht Freunde, zur Vorhersage einer Präferenz für fokus-kongruente Produkte (Experiment 4).
Woltin, K.-A., & Yzerbyt, V. (2013). The influence of people’s regulatory focus in their predictions of others: First indicators of egocentrism. 14th Meeting of the Section Social Psychology [Fachgruppentagung Sozialpsychologie], Hagen, Germany. https://hdl.handle.net/2078.5/203275