(de) Von 1914 bis 1918 waren die von der deutschen Armee besetzten Länder Belgien und Frankreich ein Glücksfall für die Nachrichtendienste der Alliierten, die hier in nächster Nähe ihrer Gegner interessante Informationen über deren Kriegsanstrengungen gewinnen konnten. Allerdings konnten sie ihre Sender nicht direkt auf besetzten Gebiet aufstellen, wo mehrere Geheimpolizeien aktiv waren, die zum einen dem Besatzungsregime, der Generalgouvernement, zum andern den Armeen unterstellt waren. Um im besetzten Land Beobachtungsoperationen zu leiten, erwiesen sich die Niederlande deshalb als erstrangige Alternative. Seit Anfang des Konflikts stellte dieses neutrale Land die Drehscheibe für die belgischen, französischen und britischen Geheimdienste dar, die hier eine Reihe von Stellen errichteten, die sie selber organisierten oder für die sie eine Art "Résistance avant la lettre" In den überfallenen Gebieten nutzten. Dieser Widerstand entwickelte sich vor allem Im Generalgouvernement und, unter grösseren Schwirigkeiten, In den Etappen, wo die deutsche Truppen sehr dicht standen. Mehr als 6500 Belgier und Franzosen, verteilt über mehr als 200 Spionagenetzwerke, wurden von den alliierten Diensten angestellt. Ihre Anstrengungen richteten sich hauptsächlich auf die Eisenbahnen, um die Bewegungen des Feindes nachzuzeichnen. Die Sammlung der Informationen war mühsam, doch war die Übermittlung noch viel gefährlicher, da stets die Verbindung mit den Niederlanden sichergestellt werden musste.
Debruyne, E., & Rezsöhazy, E. (2021). Des territoires occupés aux Pays-Bas neutres : extension du domaine de la lutte clandestin. In Vuilleumier, Christophe (ed.), Le renseignement dans les pays neutres (p. p. 106-132). Slatkine. https://hdl.handle.net/2078.5/243636