Eine kontrastive Untersuchung von deutschen und niederländischen Mehrwortverbindungen aus Präpositionalphrase und Lokalisierungsverben

Hermann, Manon
(2018) The 8th International Conference of the German Cognitive Linguistics Association — Location: Universität Koblenz (26.September.2018)

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Wie allgemein bekannt, sind Deutsch und Niederländisch zwei verwandte Sprachen (vgl. Talmy 2000). Sie verfügen über Positions- und Lokalisierungsverben, die mit bestimmten obligatorischen Präpositionalphrasen (PP) auftreten: Dt. etwas auf die Agenda setzen und Nl. iets op papier zetten (Dt. ‚etwas schreiben‘), usw. Eine besondere Unterkategorie solcher Einheiten bilden die sogenannten Funktionsverbgefüge (FVG), d.h. feste Verbindungen aus einem nominalen und einem verbalen Bestandteil (Fleischer 1997), bei denen das Funktionsverb nur eine grammatische Funktion hat und in abgeschwächter Bedeutung erscheint. Beispiele: Dt. zur Verfügung stellen, in Kraft setzen und Nl. ter beschikking stellen, in werking stellen, usw. In diesem Beitrag werde ich eine erste Analyse von Mehrwortverbindungen präsentieren, die aus einer obligatorischen PP und den Verben stellen auf Deutsch und stellen auf Niederländisch gebildet sind. Diese Verben erweisen sich als besonders interessant für eine kontrastive Analyse, denn die Unterschiede zwischen beiden Sprachen sind - trotz ihrer typologischen Verwandtschaft - groß. Mit Hilfe einer Sammlung deutscher und niederländischer Beispiele aus den Korpora des „IDS“ und „Corpus Hedendaags Nederlands“ wird also der Frage nachgegangen, in wie fern Deutsch und Niederländisch mehr oder weniger verwandt sind im Gebrauch dieser Lokalisierungsverben. Im Deutschen wird stellen sehr oft verwendet, um konkret die Lokalisierung eines Gegenstandes oder einer Person auszudrücken, das/die auf seiner/ihrer Basis steht (De Knop 2016). Dagegen zeigt Lemmens (2006) anhand von vielen Beispielen, dass Nl. stellen ausschließlich in metaphorischen Ausdrücken gebraucht wird (« in some relics, mostly metaphorical uses », p. 262) und dass zetten (Dt. ‚setzen‘) immer öfters als „default causative verb“ verwendet wird: „to make sit“ wird also zum kausativen Pendant von „to stand“ (Lemmens 2006). Meiner Untersuchung zufolge wird jedoch Nl. stellen oft in FVG verwendet. In der wissenschaftlichen Literatur (u.a. Eisenberg 2013) werden vor allem die Morphosyntax und die Funktion dieser Mehrwortverbindungen analysiert. Der Gebrauch der Lokalisierungs- und Positionsverben, aber auch der anderen Bestandteile dieser PP-Verb-Verbindungen (Substantiv, Präposition, usw.), hängt aber sehr stark von der Semantik und den zugrundeliegenden Konzeptualisierungen ab. So kommt stellen sehr oft mit der Präposition unter und einem Substantiv vor, das die Kontrolle konzeptualisiert (Kontrolle, Arrest, Beobachtung). Diese Studie wird sich daher vor allem auf den semantischen Aspekt der Mehrwortverbindungen in den beiden germanischen Sprachen fokussieren. Diese Untersuchung bringt auch neue Perspektiven für das Unterrichten der beiden verwandten Sprachen, sowie für das Erlernen der Funktionsverbgefüge und der Positionsverben – zwei Aspekte, die den Lernenden des Deutschen und des Niederländischen große Schwierigkeiten bereiten.
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Citations

Hermann, M. (2018). Eine kontrastive Untersuchung von deutschen und niederländischen Mehrwortverbindungen aus Präpositionalphrase und Lokalisierungsverben. The 8th International Conference of the German Cognitive Linguistics Association, Universität Koblenz. https://hdl.handle.net/2078.5/213609