Eine kontrastive Untersuchung von deutschen und niederländischen Mehrwortverbindungen aus Präpositionalphrase und Lokalisierungsverben

Hermann, Manon
(2017) International Conference - Light verb constructions in Germanic languages — Location: Université Saint-Louis Bruxelles (17.November.2017)

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Wie allgemein bekannt, sind Deutsch und Niederländisch zwei verwandte Sprachen (vgl. auch Talmy 2000). Sie verfügen über Positions- und Lokalisierungsverben, die mit bestimmten obligatorischen Präpositionalphrasen (PP) auftreten: Dt. etwas auf die Agenda setzen und Nl. iets op papier zetten (Dt. ‚etwas schreiben‘), usw. Eine besondere Unterkategorie solcher Einheiten bilden die sogenannten Funktionsverbgefüge (FVG), d.h. feste Verbindungen aus einem nominalen und einem verbalen Bestandteil (Fleischer 1997), bei denen das Funktionsverb nur eine grammatische Funktion hat und in abgeschwächter Bedeutung erscheint. Beispiele: Dt. zur Verfügung stellen, in Kraft setzen und Nl. ter beschikking stellen, in werking stellen, usw. In diesem Beitrag werde ich eine erste Analyse von Mehrwortverbindungen präsentieren, die aus einer obligatorischen PP und den Verben stehen/stellen auf Deutsch und staan/stellen auf Niederländisch gebildet sind. Diese Verben erweisen sich als besonders interessant für eine kontrastive Analyse, denn die Unterschiede zwischen beiden Sprachen sind - trotz ihrer typologischen Verwandtschaft - groß. Mit Hilfe einer Sammlung deutscher und niederländischer Beispiele aus den Korpora des „IDS“ und „Corpus Hedendaags Nederlands“ wird zuerst der Frage nachgegangen, ob jede kausative PP-Verb-Verbindung mit Dt. stellen / Nl. stellen einer nicht kausativen Entsprechung mit Dt. stehen / Nl. staan entspricht (zur Verfügung stellen – zur Verfügung stehen aber auf die Beine stellen - *auf den Beinen stehen). Es wird ebenfalls untersucht, ob die kausativen Pendants von Mehrwortverbindungen mit Dt. stehen / Nl. staan mit den korrespondierenden Verben Dt. stellen / Nl. stellen vorkommen können. Im Deutschen wird die entsprechende kausative Verbindung nämlich auch oft mit setzen gebildet (unter Druck stehen - unter Druck setzen). Im Niederländischen wird das Verb zetten (Dt. ‚setzen‘) immer öfters als „default causative verb“ (Lemmens 2006) verwendet: „to make sit“ wird also zum kausativen Pendant von „to stand“ (Lemmens 2006). Meiner Untersuchung zufolge wird jedoch Nl. stellen oft in FVG verwendet. Beispiel: Nl. ter beschikking staan (Dt. ‚zur Verfügung stehen‘) und Nl. ter beschikking stellen (Dt. ‚zur Verfügung stellen‘). In der wissenschaftlichen Literatur (u.a. Eisenberg 2013) werden vor allem die Morphosyntax und die Funktion der Funktionsverbgefüge analysiert. Der Gebrauch der Lokalisierungs- und Positionsverben, aber auch der anderen Bestandteile dieser PP-Verb-Verbindungen (Substantiv, Präposition, usw.), hängt aber sehr stark von der Semantik und den zugrundeliegenden Konzeptualisierungen ab. Diese Studie wird sich daher vor allem auf den semantischen Aspekt der Mehrwortverbindungen in den beiden germanischen Sprachen fokussieren. Literatur ▪ EISENBERG P. (2013), Der Satz, Stuttgart: J.B. Metzler. ▪ FLEISCHER W. (1997), Phraseologie der deutschen Gegenwartsprache, Tübingen: Niemeyer. ▪ LEMMENS M. (2006), Caused posture: experiential patterns emerging from corpus research. In Corpora in Cognitive Linguistics. Corpus-Based Approaches to Syntax and Lexis, A. Stefanowitsch & S. Gries (eds). Berlin: Mouton de Gruyter. ▪ TALMY L. (2000), Toward a Cognitive Semantics, Vol. 2: Typology and Process in Concept Structuring. Cambridge, MA: MIT Press.
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Citations

Hermann, M. (2017). Eine kontrastive Untersuchung von deutschen und niederländischen Mehrwortverbindungen aus Präpositionalphrase und Lokalisierungsverben. International Conference - Light verb constructions in Germanic languages, Université Saint-Louis Bruxelles. https://hdl.handle.net/2078.5/213615