Das Verhältnis von Film und Buch ist in der Literatur- und Filmwissenschaft ein gängiges Thema. Dabei stehen zwei Formen der Bezugnahme im Vordergrund: einerseits die Adaptation (z. B. Romanverfilmung), andererseits die Novellisation (Romanisierung eines Films). Vor allem die zweite Transformationsform, also die Überführung eines bestehenden Films in ein Buch, kann seit einiger Zeit vermehrt im Bereich der visuellen Kunst festgestellt werden. Dies gilt besonders für Videokünstler wie Pipilotti Rist, Steve McQueen oder Hans Op de Beeck, die ausgehend von ihren filmischen Produktionen Bücher kreieren, die weit über die Funktion eines Katalogs hinaus eine zusätzliche Reflexionsform über den Film selbst und seine Inhalte darstellen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist das Buch Venise, das Victor Burgin 1997, vier Jahre nach dem Erscheinen des gleichnamigen Films, veröffentlicht hat. In seiner formalen Struktur ganz im wörtlichen Sinn eine Notationsform des Filmischen (die Zeitangaben des Videos skandieren die bildlichen und textuellen Elemente des Buchs), ist das Buch weit mehr als eine bloße Transkription. Die Gestaltungsmöglichkeiten des Buchs erlauben, das bereits für den Film formulierte Anliegen Burgins, eine Psychotopographie des Raums im Zeitalter der Globalisierung zu entwerfen, auf eine alternative Weise zu reflektieren. Dabei werden die formalen und strukturellen Eigenschaften des Mediums Buch wie auch dessen Nutzung durch einen Leser-Betrachter mit einbezogen.
Citations
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Streitberger, A. (2019). Das Buch als psychotopographische Verräumlichung des Films. In Ursula Frohne, Lilian Haberer, Annette Urban (ed.), Display/Dispositiv. Ästhetitsche Ordnungen (pp. 359-372). Wilhelm Fink. https://hdl.handle.net/2078.5/158522